Wie sieht dein Plan GOOD aus?

Wie sieht dein Plan GOOD aus?

 

Im Prinzip ist ein Plan G.O.O.D. (Get Out Of Dodge = Bring dich in Sicherheit!) der Plan B im Leben. Im Plan A leben wir im Moment. Wir leben in einer Gesellschaft, in der für so ziemlich alle genug da ist und wir unsere Grundbedürfnisse gar nicht mehr so wirklich mitgekommen. Es fehlt einfach an nichts. Überall hat man sauberes Wasser und mehr als genug zu essen. Und WLAN nicht zu vergessen. Strom kommt wie selbstverständlich aus der Steckdose. Plan A ist, wenn wir im Notfall in Krankenhäusern behandelt werden können, unsere Kinder in einer beheizten Schule ausgebildet werden und wir jeden Tag zur Arbeit gehen, um am Ende des Monats mit einem Gehalt entlohnt werden. Plan A ist auch, wenn man heiratet, eine Familie gründet, später einen angenehmen Ruhestand erlebt und dabei auf Reisen geht. Wir leben ein Leben voller Elektrizität, Benzin für unsere Autos, überall verfügbarem Essen und einer Regierung, die für einen gewissen Grad an Ordnung und Schutz sorgt, falls einmal unvorhergesehen Dinge passieren.

Die meisten von uns funktionieren in Plan A auch recht gut. Es gibt zwar Ausnahmen, aber selbst diese werden durch Mechanismen abgefangen und unterstützt, um wieder in den Plan eingegliedert werden zu können. Aber was, wenn Plan A irgendwann versagt? Was passiert, wenn eben nicht mehr alles überall, sofort und im Überfluss vorhanden ist? Hast du einen Plan B?

Was ist, wenn du feststellst, dass du nicht mehr in deinem Haus oder in deiner Wohnung bleiben kannst. Weil es eben zu gefährlich ist, oder weil dich der Resourcenmangel dazu zwingt, woanders nach Wasser oder Nahrung zu suchen? Vielleicht ist deine Nachbarschaft auch nicht mehr sicher und du kannst kein Auge mehr zumachen aus Angst, ausgeraubt zu werden. Plan G.O.O.D. oder „Get out of Dodge“ muss her. Wohin würdest du gehen? Wie würdest du dort hin kommen? Wir würdest du dort leben und was ist eben dieser Plan B?

Der eigentliche Grund für diesen Artikel ist, dich zum Nachdenken über Plan B zu bewegen. Und dich mit den Basics vertraut zu machen, die du bei der Erstellung deines eigenen Plan B im Hinterkopf behalten solltest, falls du dich dazu entschließt, Plan G.O.O.D. anzulegen. Genau so wie auch bei Plan A hast du dabei ein bestimmtes Ziel im Kopf und sammelst so lange Ressourcen und Fähigkeiten an, bis du diese Ziele erreicht hast. Du beherrschst also schon die Grundlagen dessen, was du für Plan B brauchst. Es ist im Prinzip das gleiche: Sammle Ressourcen, lerne Dinge und wende sie zum richtigen Zeitpunkt an.

Der Sinn hinter Plan GOOD ist es, dich und deiner Familie aus der Schusslinie zu bringen. An einen sicheren Ort, an dem eine SHTF Situation eben nicht das Ende bedeutet, sondern deine und eure Chancen etwas besser stehen. Nicht mitten in der Stadt, sondern dort, wo nicht in der ersten Nacht Gruppen durch die Straßen ziehen und plündern.

Dein Plan sollte in der Realität stattfinden. Damit ist gemeint, dass die Grundlagen realistisch sein sollten. Niemand erwartet ernsthaft eine Zombie-Apokalypse. Aber eine Epidemie ist gerade bei unseren heutigen Bevölkerungsdichten in Asien keine so unwahrscheinliche Bedrohung.

Plan GOOD wird dir die folgenden Fragen beantworten können:

  1. Wo geht es hin?
  2. Wann machst du dich auf den Weg?
  3. Was nimmst du mit?

Schlussendlich geht es auch darum, deinen Plan mit deinen Vertrauten zu teilen. Es hilft nichts, einen Plan zu haben, den nur du kennst. Meine Frau weiß genau, was zu tun ist, falls wir an einen Tipping-Point gelangen (dazu später mehr).

 

1. Wo geht es hin?

Ein Plan GOOD geht davon aus, dass du dort, wo du gerade bist, nicht länger sein kannst. Du wirst dich zu einem Survival-Ort begeben müssen. Falls du allerdings schon an einem Ort bist, der dir ausreichend Schutz und Vorzüge einer Bug-Out-Location bietet, gibt es keinen Grund, diese Sicherheit aufzugeben

Eine Bug-Out-Location ist ein vorbestimmter Ort, an dem du für mindestens ein Jahr leben könntest. Mit „vorbestimmt“ meine ich, dass du weißt, wo dieser Ort genau ist und wie du dort hinkommst. Klingt einfach, aber sollten deine primäre und auch sekundäre Route nicht mehr passierbar sein, wird das Hingelangen schon deutlich schwieriger. Und dieser Ort sollte entweder dir gehören oder du solltest dort zumindest vom Besitzer geduldet sein.

Die grundlegenden Bedingungen für eine Bug-Out-Location unterscheiden sich kaum zu denen bei der Grundstückssuche. Der Ort sollte weder zu zentral noch an einer Durchfahrtsstraße liegen. Ein abgelegener Ort ist immer einem frequentierten Gebiet vorzuziehen. Und deine Bug-Out-Location muss verteidigbar sein. Und letztendlich sollte eine Quelle für frisches Wasser und Brennstoff in der Nähe sein.

Frisches Wasser gibt es in Flüssen, Kanälen, Seen oder Bächen. Energie / Brennstoff ist am einfachsten in Form von Holz zu beschaffen. Allerdings wären Vorräte weitaus praktischer. Ansonsten bietet sich auch Energie in Form von Solar- oder Windenergie an. Je nachdem, wie viel Ressourcen dein Plan A für Plan B ermöglicht.

Auch die Größe deiner Bug-Out-Location spielt eine wichtige Rolle. Ist genug Platz für deine Familie und Nahestehenden? Falls du planst, Nahrung anzupflanzen: Ist auch dafür genug Platz und kannst du die Nahrung vor Tieren schützen?

Wenn es um die Verteidigung deiner Bug-Out-Location geht, wäre es ideal, wenn du sie erst gar nicht verteidigen müsstest. Soll bedeuten, dass der Ort so abgeschieden ist, dass vorerst niemand auf die Idee kommt, dort nicht Nahrung und Ressourcen zu suchen. Entweder, weil deine Bug-Out-Location gut versteckt oder sehr schwer erreichbar ist. Das Ziel sollte es trotzdem sein, eine überschaubare Gruppe von bis zu 6 Personen abwehren zu können. Was wäre das wahrscheinlichste Szenario für einen Angriff? Was könntest du tun, um frühzeitig alarmiert zu werden, ohne die Angreifer auf dich aufmerksam zu machen? Für Gruppe von mehr als 6 Personen wäre es sinnvoll, ohne Konfrontation möglichst unbemerkt das Gebiet schnell und sicher verlassen zu können. So bringst du dich und deine Familie nicht in unnötige Gefahr.

Eine weitere Überlegung betrifft die Route zu deiner Bug-Out-Location. Idealerweise solltest du dort sein, bevor die Straßen unpassierbar sind oder Sperren errichtet werden. Falls deine Route A nicht passierbar ist, brauchst du eine Route B. Und am besten noch eine Route C. Kenne dich besser aus als jeder andere und du hast den Vorteil auf deiner Seite. Keine deiner Routen sollte Brücken, Fähren oder auch öffentliche Verkehrsmittel setzen. Beide Routen sollten so aussehen, dass du zur Not auch zu Fuß ans Ziel gelangst.

 

Andere Faktoren, die du bei der Wahl deiner Bug-Out-Location berücksichtigen solltest:

Im Optimalfall hast du genug Vorräte und Wasser sowie Survivalausrüstung gelagert, sodass du in den ersten 6 bis 12 Monaten über die Runden kommst. Diese Zeit könnte reichen, damit sich die allgemeine Situation etwas beruhigen kann und du für die Zeit danach planen kannst. Für die ersten 6 Monate ist eine Planung, die über grundlegenden Gedanken wie im diesem Artikel hinaus gehen eher ein mentales Spiel statt umsetzbarer Plan. Dafür ist unsere soziodemografische Struktur, die bisher keine Krisenzeiten bisher erlebt hat, zu komplex und unvorhersehbar.

Ein Gedanke, der einem die Augen öffnet: Lege im Kopf oder tatsächlich physisch eine Liste mit den Dingen an, die du und deine Familie für die ersten 6 Monaten brauchen. Und zwar ohne die Möglichkeit, Dinge im Supermarkt oder mit dem Auto noch „eben schnell“ nachzukaufen. Ohne die Möglichkeit, medizinische Hilfe zu holen, falls es ernst wird. Wie viel Nahrung würdet ihr brauchen, wie sieht es mit Kleidung aus, Medikamenten, Waffen und Munition? Wie sieht es mit Fähigkeiten aus, die es während Plan A stattfindet alle bei YouTube anzusehen gibt?

Sobald du die Liste in groben Zügen zusammen hast, streiche alles durch, was schon vorhanden ist. Ich glaube, dass du außer einem Campingkocher und Wasservorräten und vielleicht einem Schlafsack noch eine Menge Dinge gebrauchen könntest.

 

2. Wann machst du dich auf den Weg?

Bei der Konzeptionierung des GOOD Plans spielen zwei Begriffe eine wichtige Rolle, um festzulegen, wann mit sich auf den Weg machen sollte.

Kommen wir zuerst auf den Tipping Point zurück, der oben schon angedeutet wurde. Ein Tipping Point ist der Moment, an dem eine Reihe an Ereignissen eingetreten ist, die eine bestimmte Richtung (nach unten) andeuten. Das kann eine exponentiell Zahl von Neuerkrankungen bei einer Epidemie sein oder landesweite Unruhen, die außer Kontrolle geraten.

Der Zusammenbruch der Gesellschaft, oder wie wir sagen TEOTWAWKI (The End Of The World As We Know It). Wobei dieser Ausdruck davon ausgeht, dass es ab einem gewissen Punkt nur noch bergab geht, denke ich, dass jeder Zustand nur eine gewisse Zeit andauert. Nach einer Weile werden sich die Dinge beruhigen. Nur ob das nach 6 Tagen, Monaten oder Jahren der Fall ist kann keiner vorhersehen. Die Herausforderung liegt darin, so lange durchzuhalten, bis eben das Schlimmste überstanden ist. Das führt uns zu zwei Fragen: Wie schlimm wird es und wie lange wird es so sein? Die Theorie sagt: Je schlimmer die Sache ist, desto länger dauert sie und je länger die Sache dauert, desto schlimmer ist sie.

Der zweite Begriff im Zusammenhang, wann man sich auf den Weg macht, ist das Trip Wire Event (TWE). Dieses Event ist vorher dazu definiert worden zu sagen, dass es an der Zeit ist. Beispiel: Das Internet funktioniert länger als 2 Tage nicht mehr. Oder die Zahl von Neuinfektionen scheint einem exponentiellem Trend zu folgen. Oder der Strom ist länger als 48 Stunden weg. Du siehst, worauf ich hinaus will. Wie ein Stolperdraht, der um deine Bug-Out-Location gespannt ist, kann jedes vieler gestreuter Trip Wire Events ein klares Zeichen sein: Verschwinde. TWE sollten immer wieder neu angepasst und evaluiert werden. Du musst nicht gleich alles zurück lassen, weil exponentiell viele Personen aus deinem Umfeld eine gewöhnliche Grippe haben.

Eine Herausforderung bei der Trip Wire Event Auswahl ist es, das richtige Event zu wählen, um noch genug Zeit zu haben, bevor TEOTWAWKI eintritt. Eben genau wie bei einem Stolperdraht rund um deine Bug-Out-Location. Wählst du den Abstand zu gering, hast du keine Zeit, um zu reagieren. Ein TWE sollte also ausreichend weit vor einem SHTF-Zeitpunkt liegen. Also bevor der Strom zu lange aus ist und bevor die Läden geplündert werden und bevor es an der Tankstelle keinen Treibstoff mehr gibt. Und bevor die Straßen entweder von offizieller Seite oder von der Seite von Chaoten gesperrt werden. Diese zeitliche Einteilung wird dir dabei helfen, die Oberhand  und vor allem die Nerven zu behalten.

Wenn du also im Kopf deine Trip Wire Events anlegst, solltest du genug Abstand haben, um weiterhin im Vorteil anderen gegenüber zu sein aber nicht zu weit im Voraus reagieren, bevor es überhaupt notwenig sein sollte. Das richtige Timing ist wichtig, um das Optimum an Vorbereitung wie zum Beispiel dem Sammeln von Ressourcen ausnutzen zu können.

Mit der Hilfe deines GOOD Plans versetzt du dich in die Lage, TEOTWAWKI Ereignisse in zwei Kategorien zu unterteilen. Vorhergesehene und unvorhergesehene Events. Ein vorhersehbares Event kannst du im Kopf planen und dich darauf vorbereiten. Ein unvorhersehbares weniger und es ist schlichtweg unmöglich, dafür die richtigen Pläne und Vorbereitungen parat zu haben geschweige denn sich vorstellen zu können, wie dieses Event aussieht.

 

Hier also ein paar TEOTWAWKI Events, die auf jeden Fall vorhersehbar und daher mit einem GOOD Plan abzudecken wären:

 

Stromausfall

Wir haben ein nationales und ein europaweites Stromnetz, die uns mit Energie versorgen. Beide Netze sind höchst anfällig für Sabotagen und Hacks. Der Ausfall eines Netzes hätte Auswirkungen auf die Funktion des anderen. Schätzungen zufolge könnte ein großer Ausfall Schäden verursachen, die erst nach Monaten wieder beseitigt sein könnten. Und hier ist es eher eine Frage der Zeit als eine Frage nach dem ob, wann jemand versucht, dieses Netz zu beschädigen.

 

Ökonomischer Zusammenbruch

Dieses Event hat eine Menge an Vorzeichen. Es gibt sogar schon mögliche Reihenfolgen an Ländern, die es einem nach dem anderen treffen wird, bis der vollständige Zusammenbruch stattfindet. Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Belgien, Niederlande, Frankreich -> Ende. Gut, sich diese Reihenfolge einmal zu merken und daraus ein eigenen TWE abzuleiten. Dafür kann ich den Film „Master of the Universe“ nur empfehlen.

 

Pandemie (länderübergreifende Epidemie)

Eine Pandemie ist ein ausufernder Ausbruch einer ansteckenden Infektionskrankheit. Sie kann jederzeit und überall beginnen und deren Auswirkungen sich schneller verbreiten als jede geopolitische oder ökonomische Katastrophe. Das Ziel sollte es sein, wie schnell wie möglich dort hinzugelangen, wo einen niemand anstecken kann.

 

Bürgerkriegsähnlicher Zustand

Dieses TWE wird zwangsläufig mit einem der voran gegangenen Szenarien einhergehen. Es gibt allerdings eine weitere lange Liste an Ursachen, die dazu führen können, dass ein bürgerkriegsähnlicher Zustand ausbricht. Die größte Herausforderung ist es dabei, dich und deine Familie sowie Ressourcen vor anderen zu schützen.

 

Für diese unvorhersehbaren Events „lohnt“ es sich nicht zu planen:

 

3. Was nimmst du mit?

Idealerweise hast du einen Haufen an Vorräten und Ressourcen in der Nähe deiner Bug-Out-Location und nimmst nur das nötigste in deinem Bug Out Bag mit. Andernfalls solltest du versuchen alles mitzunehmen, woran du im Vorfeld nicht gedacht hast oder was nicht möglich war, dort zu lagern. Eine Empfehlung wäre es, dabei nach Prioritäten zu packen: Schutz (Waffen), medizinisches Versorgung, unverderbliche Vorräte wie Konserven, jegliches Camping-Zeug, das du finden kannst und zu guter letzte noch irgendeine Form von Brennstoff oder -Material. Falls du noch Zeit und Platz hast: Kleidung, hilfreiche Bücher, Werkzeug und Sachen, die du später eintauschen könntest. Bring deinen Hund mit aber lass die Katze zu Hause.

 

Was erwartet einen, falls SHTF passiert?

Abgesehen davon, dass man mit dem Anlegen von Überlebensvorräten und Ressourcen einen gewissen Weg der Strecke schon zurücklegen kann, ist die mentale Vorbereitung ein wichtiger Part. Ideal wäre es, auf die mentalen und psychologischen Probleme in irgendeiner Form vorbereitet zu sein. Du musst für Wochen oder Monate voller Unsicherheit und Gefahren mental eingestellt sein. Denn die Entscheidungen, die du triffst, haben größere Auswirkungen als einem lieb sein können. In einer SHTF Situation geht es eben nicht darum, wie viel Speicher man noch auf seinem Handy zur Verfügung hat, sondern wo man überlebenswichtige Dinge wie frisches Wasser her bekommt. Wenn ich darüber nachdenke, wie es in einem solchen Szenario ablaufen könnte, gibt es im Prinzip nur einen Weg, auf dessen Abzweigungen die Geschehnisse ablaufen könnten. Die Hauptstraße dieses Weges ist allerdings das völlige Chaos mit wenig Chancen, das durchzustehen. Dafür sind wir als „Stadtkinder“ und Generation, der es bisher immer blendend ging, einfach nicht ausgebildet.
Sobald der Strom für ein paar Tage weg ist, werden auch Polizisten, medizinisches Personal und Feuerwehr dafür sorgen, dass es ihnen selbst am besten geht. Kurz darauf dürfte die komplette Infrastruktur den Geist aufgeben. Die Wirtschaft bricht zusammen.

Die letzten, die noch die Stellung halten werden, ist das Militär. Allerdings nur so lange, bis auch dieses das Gefühl bekommt, die eigenen Familie vor dem Untergang beschützen zu müssen. Sobald das eintritt, steht die allgemeine Sicherheit auf der Kippe. Bevor das passiert haben hoffentlich ein oder sogar mehrere Trip Wire Events ausgelöst und du bist mit deiner Familie zur Bug Out Location aufgebrochen, um den Schlimmsten zu entgehen. Unabhängig davon, ob du zusammen mit ihnen oder jeder für sich dorthin auf dem Weg ist.

Ohne einen guten Plan werden Vorräte und Ressourcen bis dahin verschwunden sein. Ohne einen funktionierenden gesellschaftlichen Rahmen bleibt jeder zu Hause und ergattert in der Nachbarschaft das, was er gerade so bekommen kann. Die ersten Wochen werde nicht die beste Zeit, um in Ruhe alles zu überdenken und zu planen. Auf der Grundlage von Nahrungs- und Frischwassermangel wird ein Großteil der Bevölkerung die ersten Wochen nicht überstehen. Menschen, die täglich auf Medikamente oder die Hilfe anderer angewiesen sind, leiden als erste unter den Folgen. Die Mehrzahl dieser Personen wird es mit großen Schwierigkeiten über die erste Woche ohne Grundversorgung und Ordnung hinaus  schaffen. Die nächste Gruppe, welche die Folgen unmittelbar spüren wird, ist die soziale und ökonomische Unterschicht. Sie wird in ihren Wohnungen versuchen, die Situation auszusitzen in der Hoffnung, dass „irgendjemand“ das ganze in den Griff bekommt. Eventuell werden einige von ihnen in Camps unterkommen, in denen es Essen und Trinken sowie ein Minimum an Schutz gibt. Ebenso lange, bis der militärische Komplex zusammenbricht. An diesem Punkt wird es so ablaufen wie bei Hurricane Katrina im Superdome-Camp. Es wird sich der Stärkste durchsetzen und alle anderen verlieren alles. Meiner Meinung nach sollte jeder versuchen, ein solches Camp unter allen Umständen zu meiden.

Die gesunden und unvorbereiteten werden auf der Suche nach Nahrung und Schutz vermutlich verletzt und oder getötet. Ohne medizinische Versorgung bedeutet selbst eine kleine Schnittwunde einen klar definierten Ausgang. Ein gebrochener Arm wird zur Infektion, deren Folgen weniger Tage später der Verletzte erliegen wird. Die Unvorbereiteten könnten und würden sich vermutlich zu Gruppen zusammenschließen, die plündert durch die Gegend ziehen. Diese Gruppen wären brutal und sehr mobil. Sie würden was auch immer nötig ist tun, um selbst am Leben zu bleiben. Nach einer Weile wären Gebiete jedoch völlig abgegrast und die Gruppen würden weiterziehen, um neue Ressourcen zu erschließen. Manche wären wahrscheinlich sogar wieder motorisiert unterwegs, die meisten allerdings per Fahrrad oder zu Fuß. Die Anführer dieser Gruppen wären wahrscheinlich Kriminelle, die die Chance nutzen, ihre Machtposition auszuüben und auf militärisches oder gruppendynamisches Wissen zurück greifen können.

Dem Zwang geschuldet, von dem leben zu müssen, was eben da ist, werden die Gruppe vermutlich hauptsächlich aus Männern bestehen und eine Größe von etwa 20 Personen umfassen. Eine kleinere Zahl wäre zu verwundbar, eine größere kaum kontrollierbar.

Es gäbe zwei Chancen im Umgang mit diesen Gruppen. Die erste wäre, ihnen komplett aus dem Weg zu gehen und jeden Kontaktpunkt zu vermeiden. Die zweite Chance wäre, sie anzugreifen, bevor sich dich angreifen, um das zu bekommen, was du hast. Meine Vermutung wäre, dass die meisten dieser Gruppen sich mittelfristig in Gegenden aufhalten, die im ganzen Jahr ein gutes Klima bieten und relativ warm sind.

In einem langfristigen SHTF-Szenario gibt es folglich eine ganze Reihe an Umständen, auf die man mental vorbereitet sein müsste. Das Sterben ist wohl die bedeutendste Herausforderung. Der Tod einer Person aus deinem Umfeld schwächt dich enorm und reißt eine tiefe Lücke. Die Herausforderung wird es sein, als Gruppe langfristig gesund und wachsam zu sein ohne dabei zu verzweifeln und den Mut zu verlieren. Dabei ist die körperliche Fitness wohl einfacher aufrecht zu erhalten als die mentale. Deiner Gruppe müsste dazu in der Lage zu sein, sich regelmäßig über die Geschehnisse auszutauschen, ohne, dass Verzweiflung entsteht. Sich mental auf Ereignisse vorzubereiten könnte helfen, auch wenn die Chancen realistisch gesehen nicht die besten zu sein scheinen.