10 wichtige Dinge, die dir ein Camping-Trip über Survival verrät

Camping Survival

Es gibt eine Kernaussage, die beim Thema Prepping und Survival immer wieder auftaucht. Sie lautet: Du solltest deinen Plan ausprobieren, bevor du ihn im Ernstfall in die Tat umsetzen musst.

Das ist quasi das, was wir früher in der Schule erlebt haben. Jedes Jahr geht einmal der Feueralarm los und leitet eine Übung ein, in der alle möglichst gesittet und ohne große Probleme ins Freie gelangen sollen, um sich an einem vorher definierten Platz zu treffen. Eine Übung, die dann im Ernstfall hoffentlich dafür sorgt, dass alle unkompliziert und ohne „Verluste“ in Sicherheit gelangen. Die Kinder sollen dabei die Wege und die Verhaltensweisen kennenlernen, die bei einem echten Brand dafür sorgen, dass niemand in Panik gerät oder unter dem großen Stress einer tatsächlichen Bedrohung kritische Fehler macht.

Jedes Training, das eine Ausnahmesituation simuliert, hilft dir dabei, unter Stress wesentlich besser reagieren zu können. Beispielsweise könntest du dich ein Wochenende lang so verhalten, als gäbe es keinen Strom mehr. Oder wie wäre es mal mit dem Versuch, zwei Wochen lang ohne Einkaufen auszukommen?

Bugging Out (dafür ist ein Bug Out Bag gedacht) meint im Prinzip nur, dass du ein bekanntest Gebiet verlassen musst, um in einen sicheren Bereich zu gelangen. Das könnte der Fall sein, falls in der Nähe ein Chemie-Unfall passiert, eine Flutkatastrophe eintritt oder es zu Ausschreitungen kommt, die deine Gegend durchqueren.

Es gibt eine Vielzahl an möglichen Szenarien, die dich dazu bewegen oder zwingen könnten, dich auf den Weg zu machen und dein Haus zu verlassen. Bugging Out beschränkt sich aber nicht ausschließlich darauf, dass du aus deinem Haus in Richtung Sicherheit aufbrechen musst. Es kann auch sein, dass du gerade unterwegs bist, während etwas SHTF-artiges passiert. Dafür ist dann ein Get Home Bag sinnvoll. Vor allem, da es viel leichter ist als ein Bug Out Bag und du dich damit wesentlich schneller bewegen kannst.

Generell ist das Thema Schnelligkeit entscheidend. Bug Out Bags sind dafür konzipiert, möglichst alles mitzunehmen, was wirklich wichtig ist, um ein paar Tage auf sich allein gestellt überleben zu können. Das sind ein paar Vorräte und genügend Wasser.

Wenn man allerdings glaubt, dass eine Bug Out Situation in etwa so aussehen wird, dass man sich mit seinem vollgepackten Rucksack ins Auto setzt und in das nächst größere Waldgebiet fährt, sollte man seinen Plan oder seine Denkweise noch einmal in Frage stellen. Die Vorstellung, dass man mit dem Auto gerade noch so aus einem Krisengebiet fliehen kann und hinter einem das Chaos ausbricht, ist dann doch eher etwas für die Sommer-Kino-Film-Klischees.

Echte Katastrophen zeigen ein ganz anderes Bild: Straßen sind innerhalb kürzester Zeit blockiert und ein freies Fahren mit dem Auto praktisch unmöglich. Ein Bug Out Plan zu Fuß ist also die bessere Alternative, falls ein Bug Out Vehicle nicht zur Verfügung steht.

Wie kannst du also ein Bug Out Szenario testen, bei dem du dein But Out Bag dabei hast aber eben nicht wie ein Verrückter aussiehst, der in den Krieg zieht? Die Antworte lautet: Camping!

Camping ist die beste Möglichkeit, um deinen Bug Out Bag und deinen Bug Out Plan zu testen und zu sehen, wie du dich schlägst. Aus diesem Grund haben wir eine Liste mit 10 Lektionen zusammengestellt, die dir dein erster Camping-Trip beibringen wird, um besser vorbereitet zu sein als der Rest. Allein dieser dreitägige Camping-Ausflug wird dir eine Menge beibringen. So bist du viel besser auf die Verhaltensweisen und den Stress vorbereitet, die ein echtes Bug Out Szenario an dich stellen wird.

Wir waren schon öfter mit Freunden auf Camping-Trips und können daher garantieren, dass man eine Menge lernen kann, wenn man sich diese Art von Ausflug vornimmt. Hier also eine Liste der 10 Dinge, die man von einem Camping-Trip auf jeden Fall mitnimmt.

 

1. Finder heraus, was funktioniert und was nicht funktioniert.

Das ist wahrscheinlich der einleuchtendste Punkt, wenn man sein Bug Out Plan auf diese Weise ausprobiert. Als wir die Übersicht zum Bug Out Bag erstellt haben, hatten wir im Vorfeld eine unglaublich lange Liste an Dingen, die wir gern mit aufgenommen hätten. Uns wurde dabei aber schnell klar, dass man mit einem 30 kg schweren Rucksack nicht mehrere Tage lang durch die Gegend laufen möchte und kann.

Denn obwohl es sicher nett ist, bestimmte „Luxus-Gegenstände“ mitzunehmen, ist diese Art von Gepäck nicht wirklich einfach zu transportieren und vor allem ist man damit auch nicht wirklich schnell unterwegs.

Außerdem könnte dich ein großer, vollgepackter Rucksack zu einem leichten beziehungsweise attraktiven Ziel machen. Wenn du nämlich so aussiehst, als könntest du allein mit deinem Rucksack mehrere Wochen überleben und als hättest du viele nützliche Gegenstände dabei, bist du für einen Plünderer und jemanden, der einfach nur verzweifelt nach Nahrung sucht, das perfekte Opfer.

Darüber hinaus haben wir gelernt, dass wir eigentlich immer zu viele Vorräte und Wechselklamotten mit eingeplant haben. Mehr als man am Ende tatsächlich gebraucht hätte. Und warum sollte man seine Trage-Kapazität für mehrere Liter Wasser opfern, wenn es mittlerweile sehr gute Wasserfilter gibt? Allein weniger Vorräte und weniger Kleidung können das Gewicht des Rucksacks um ein Drittel erleichtern.

 

2. Lebe einfach

Im Zusammenhang mit dem ersten Punkt wirst du relativ schnell den zweiten wichtigen Punkt lernen. Er bezieht sich darauf, dass du dich auf das wirklich Wichtige beschränken solltest.

Ein Camping-Trip kann enorm dabei helfen, zu lernen, wie man sich auf das Wichtige konzentriert. Dabei ist Camping eine gute Übung, um alles Überflüssige, was uns sonst im Alltag belastet und was wir mit uns rumtragen, loszuwerden. Aber was ist das Überflüssige? Ich habe schon Videos und Artikel gesehen, in denen jemand einen e-Book Reader und alle möglichen Arten von Ballast in seinen Rucksack gepackt hat. Zum Beispiel fünf verschiedene Arten, um Feuer zu machen. Klar kann das hilfreich sein, mehr als zwei oder drei Varianten zu kennen, aber sinnvolles Packen sieht anders aus.

Auch eine kleine Kaffeemaschine hat nichts in einem Bug Out Bag zu suchen. Ok, das ist vielleicht übertrieben, soll aber eines klar stellen: Camping ist die perfekte Übung, um wichtige Dinge von unwichtigen unterscheiden zu können. Dein Bug Out Bag ist dafür da, dir das Leben zu retten und nicht, damit du warm eingekuschelt mit deinem e-Book einen Kaffee im Wald trinken kannst. Dich auf das Wesentliche zu beschränken wird dir nicht nur physisch eine Menge Last abnehmen, sondern auch mental. Du musst dich um weniger Dinge kümmern und hast den Kopf für andere Prozesse frei, die wirklich eine Rolle spielen.

„Lebe einfach“ heißt aber auch, dass Optimierungen notwenig sein können. Wozu braucht man ein achtteiliges Kochgeschirr, dass rund 100 Euro kostet, wenn man auch mit einem vernünftigen Becher und einem Löffel zurecht kommen kann?

 

3. Lerne, dein Badezimmer nach draußen zu verlegen

Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber hast du schonmal versucht, ohne Toilette zurecht zu kommen. Es ist gar nicht so einfach, aber um auch Nummer 2 auf der Liste abhaken zu können ist es bei einem Camping-Trip über drei Tage fast unumgänglich: das Geschäft im Wald verrichten. Es braucht ein wenig Übung und ist eben nicht so bequem wie ein normaler Toilettensitz, aber muss nunmal auch erledigt werden. So wie bei allem anderen gilt auch hier: Training hilft.

 

4. Finde Wasser und nutze es

Wasser ist naturgemäß leider relativ schwer. Und wahrscheinlich sind Wasservorräte so das schwerste, was man in vielen Get Home und Bug Out bags finden kann. Und wenn man davon ausgeht, dass man mindestens einen Liter pro Tag braucht, um fit zu bleiben (klar, bei Hitze oder Anstrengung deutlich mehr und für die Hygiene dann pro Tag 1 oder 2 Liter zusätzlich), muss eine Lösung her, um an ausreichend Wasser zu gelangen.

Ein Rucksack mit 10 bis 15 Kilogramm Gewicht wird dich auf einer längeren Wanderung schon genug Kräfte kosten. Zusätzlich dann noch das doppelt dieses Gepäcks an Wasser tragen zu müssen, macht die Geschichte zu einer echten Tortur.

Zu lernen, wie man Wasser findet und filtert, gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten. Dieses Wissen ist für eine Bug Out Situation absolut essentiell, um über längere Zeit ausreichend Wasser zu haben. Mittlerweile sind Wasserfilter so gut, dass man Wasser aus einem (sauberen) Fluss schon besser trinken kann als das Wasser aus einer PET Flasche aus dem Discounter, das manchmal ein wenig nach Fließband schmeckt.

 

5. Finde heraus, wie sich dein Umfeld verhält

Meine Hauptsorge beim ersten Camping-Trip war es, wie sich die einzelnen Gruppenmitglieder verhalten, wenn sie für drei Tage draußen sein würden. Also gilt es, dieser Dynamik eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wer ist schnell müde oder gereizt, wer übernimmt welche Verantwortungen in Sachen Navigation oder Camp-Suche, wer kommt wie gut mit dem möglichen Schlafmangel zurecht? Indem man früh herausfindet, wer in welchen Situationen die Nerven verlieren könnte, kann man viele Probleme schon im Vorfeld einer echten Survival-Situation aus dem Weg räumen.

Vielleicht sind es Kleinigkeiten, die die Moral aufheitern können. Zum Beispiel ein Essen, das dieses Person besonders mag oder einfach nur, dass man jemandem, der die Last eines Rucksackes nicht so lange tragen kann, Gewicht abnimmt und dafür zum Beispiel mit der Navigation beauftragt. Psychologie spielt hier eine wichtige Rolle.

Dein Umfeld ist in einer Survival-Situation enorm wichtig. Es kann eine große Hilfe, aber auch eine große Last sein. Wie verhalten sich zum Beispiel Kinder in einer solchen Situation? Finde es vorher heraus mit der Möglichkeit, jederzeit wieder zum Auto und damit in die Normalität zurück zu können.

 

6. Finde Freunde und triff Leute mit ähnlichen Interessen

Wenn du erst einmal damit anfängst, Camping-Ausflüge zu unternehmen, wird sich automatisch auch dein Umfeld in diese Richtung entwickeln. Du wirst Leute treffen, die die gleichen Interessen haben und mit denen du dich austauschen kannst.

Beim letzten Camping-Trip habe ich ein älteres Ehepaar getroffen, das sich erstaunlich gut mit der Umgebung auskannte. Sie wussten über das Gebiet so gut bescheid, dass sie die Wetter-Phänomene der letzten Jahre kannten und auch etwas über Waldbrände wussten, die in der Gegend stattgefunden haben. Das alles sind wertvolle Informationen, die man ohne diese Personen wahrscheinlich nie bekommen hätte.
Ganz allgemein gilt, dass ähnlich denkende Freunde und Personen dir eine Menge über ein Thema beibringen können, dass du selbst wesentlich langsamer erkunden müsstest. Sie haben für dich schon Dinge erlebt oder ausprobiert und du kannst von ihrem Wissen profitieren.

 

7. Gewöhne dich daran, in ungewohnten Situationen besser zurecht zu kommen

Erweitere deine Möglichkeiten! Klar, eine Fertigpizza ist einfach und schnell zubereitet und ein Hotel ist der perfekte Ort, um sich um nichts kümmern zu müssen. Aber wenn es dann irgendwann doch einmal darauf ankommt, längere Zeit draußen zurecht zu kommen, sind Erfahrungswerte gefragt. Jede schwierige Situation, die du außerhalb eines geschützten Bereichs (Haus, Wohnung, Hotel, …) erfahren hast, hilft dir dabei, im Ernstfall besser zurecht zu kommen.

Warst du schonmal nachts allein im Wald? Nicht gerade der Wunschort von vielen. Man weiß nicht, woher die ganzen Geräusche kommen und wo sich verschiedenste Tiere gerade aufhalten. Und noch schlimmer ist die Angst vor anderen Menschen, die sich dort rumschlagen könnten. Wenn du schon nicht drei Tage im Wald verbringen möchtest, dann doch zumindest einmal ein paar Stunden bei absoluter Dunkelheit.

Das sichere und vertraute Zuhause verlassen zu müssen, ist hart – keine Frage! Aber es kann weniger beängstigend sein, wenn du schon Erfahrungen gesammelt hast und nicht alles auf einmal auf dich einprasselt, sondern du bestimmte Situation schon erlebt und gemeistert hast.

 

8. Pass dich an und denke mit

Der beste Weg, um deinem Bug Out Bag (oder auch deinem Get Home Bag) wertvolle Kilos abzuringen ist es, praktisch zu denken und dich anzupassen. Ein Wasserfilter ersetzt mehre Kilos an Wasservorräten. Eine Hose, die sowohl kurz als auch lang getragen werden kann, erspart dir eine Menge Platz im Rucksack für zusätzliche Kleidung. Ein Paarcord oder auch Panzerband haben jeweils 1000 Einsatzmöglichkeiten, wenn du dich damit auskennst und dich anpassen kannst. So nimmt eine Hängematte viel weniger Platz weg als ein Zelt und ist wahrscheinlich auch leichter. Wenn du eh schon Paracord-Profi bist, nimmt dieses Schlafmöglichkeit sogar gar keinen zusätzlichen Platz weg. Es kommt darauf an, wie weit du mitdenken und mit deinem Wissen planen kannst.

 

9. Steck dir neue Ziele

Nach den ersten Erfahrungen im Wald möchtest du vielleicht eine längere Tour planen, die von der Umgebung her oder in Sachen Navigation etwas anspruchsvoller ist. Erfolge bringen dich dazu, dir neue Ziele zu stecken.

Aber auch Misserfolge sollte dich dazu motivieren, besser zu werden. Wenn du eine furchtbare Zeit im Wald hast, analysieren, was dich am meisten stört oder beängstigt. Sind es Mücken in der Nacht oder kommst du mit dem wenigen, ungewohnten Essen nicht klar? Wenn es an deiner Ausrüstung liegt, kannst du diese für das nächste Mal verbessern und weißt, was du nächstes Mal besser machen kannst.

 

10. Baue Selbstvertrauen auf

Als letzter Punkt steht Selbstvertrauen auf dem Plan. Das ist wahrscheinlich auch die wichtigste Lektion, die dir ein Camping-Trip mitgeben wird. Die Erfahrungen und Eindrücke werden dir ein besseres Gefühl bei dem Gedanken geben, irgendwann man unfreiwillig in einer solchen Situation zurecht kommen zu müssen. Ich hatte schon immer Freude daran, durch Wälder zu laufen und auch Risiken einzugehen. Wenn ich aber zum Beispiel an meine Freundin denke, stehen bei ihr zu diesem Thema noch viele Fragezeichen im Raum. Aber nachdem man zum ersten Mal gemeinsam Erfahrungen gesammelt hat, macht es nach und nach immer mehr Spaß, sich mit dem Thema zu befassen und Schritt für Schritt besser zu werden. Und selbst wenn man das Glück hat, nie in eine Bug Out Situation zu kommen, hat man etwas neues ausprobiert und dabei wahrscheinlich sogar noch Spaß gehabt. Auf jeden Fall eine eine Win Win Situation!

 

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